Eine wie keine

 

Die Welt ist ein Dorf. Zumindest im schweizerischen Einsiedeln. Dort nämlich lebt Ines Weizenegger mit ihrer Familie. Und tausend wunderschönen Stoffen, die sie anfangs von Reisen mitgebracht hat und jetzt über verlässliche Partner vor Ort für uns importiert. Seit drei Jahren kann man diese Schätze bei ihr kaufen: 2013 hat sie ihr Label „Karlotta Pink“ gegründet. Uns erzählt sie ihre Geschichte. Und die ihrer Stoffe. Denn jeder einzelne, sagt Ines, spricht zu uns. Über sich. Die Menschen, die ihn webten. Und das Land, in dem er entstand.

Ines Weizenegger hat Stoffe, die sonst keiner hat: aus Baumwolle, aus Seide - und vor allem aus aller Welt!
Ines Weizenegger hat Stoffe, die sonst keiner hat: aus Baumwolle, aus Seide – und vor allem aus aller Welt!

Patricia: Du verkaufst Stoffe aus aller Welt. Wie bist Du dazu gekommen?
Ines: Nähen ist – auch wenn das viele vermuten – nicht der Ausgangspunkt meiner Stoffliebe, sondern mein Studium der Wirtschaftsgeographie und Reisen in fremde Kulturen wie z.B. Westafrika. Die Stoffe haben mich so fasziniert, weil sie die Kultur eines jeden Landes materialisieren. Später habe ich mit meiner Familie einen Monat Thailand bereist und von dort Stoff für meine bis anhin zaghaften Nähkenntnisse mit nach Hause gebracht. Und so fing alles an. Es ist nicht gesucht oder gewollt, es ist gewachsen


Patricia: Wie wählst Du Deine Stoffe aus? Worauf achtest Du?

Ines: Wichtig ist, dass ein Stoff etwas transportiert, eine Geschichte erzählt. Material und Farbe berichten, wer diesen Stoff gewebt hat, was ihm dabei wichtig war. Sie zeigen zum Beispiel Menschen, Mythen und Pflanzen der Aboriginies in Australien. Oder die Sorgfalt indischer Handwerker, die geduldig sechs Mal mit der Hand und einem handgefertigten Holzstempel (Pflanzen)-Farbe auf ein Gewebe stempeln, bis ein einzigartiger Blockprint entsteht.


Patricia: Die Menschen, die Deine Stoffe herstellen, sind Dir wichtig. Ist Deine Ware fair-trade?

Fair Trade braucht kein Zertifikat, sondern Miteinander.
Fair Trade braucht kein Zertifikat, sondern Miteinander

Ines: Ich beziehe unter anderem Stoff über eine Fair-Trade-Organisation. Diese arbeitet in Südindien hauptsächlich mit Randgruppen zusammen – Frauen und HIV-Infizierten. Sie nähen, weben, stellen auch textile Fertigprodukte her und verdienen so ihr faires Einkommen. Meine australischen Stoffe wiederum stammen von einem echten Aborigine, der dort vor etwa 20 Jahren eine Firma aufgezogen hat und Bilder von Aborigine-Künstlern auf Stoff bringt. Zertifikate wie FAIR TRADE sind ein guter Hinweis dass die Stoffe einen nachhaltigen Hintergrund haben, ABER viele Kooperativen/Familienbetriebe, die ebenso fair arbeiten, können sich ein solches Zertifikat einfach nicht leisten. Deshalb gibt es für mich fairen Handel auch jenseits dieser Zertifikate, zum Beispiel in Form von Frauensolidarität.


Patricia: Kennst Du alle Deine Hersteller?
Ines: Ja, ich habe vor Ort den Grundstein gelegt für die Partnerschaften und kann jetzt auf ein breites Netzwerk und Kooperationspartner zählen. Dieses entwickelt und erweitert sich über Weiterempfehlung.


Patricia: Hast Du immer dieselben Stoffe im Angebot?

Ines: Nein. Denn die Herstellung ist abhängig von den Gegebenheiten eines Landes. Herrscht Trockenzeit, gibt es zu wenig Wasser, um Stoff zu weben und zu färben.

In den Regalen von Karlotta Pink! stapeln sich die die Stoffschätze, einer schöner als der andere
In den Regalen von Karlotta Pink! stapeln sich die die Stoffschätze, einer schöner als der andere

Dann ist das eben so, und eine Bestellung verschiebt sich schon mal um ein paar Monate nach hinten. Aber das ist nicht schlimm. Dafür gibt es zu dieser Zeit wunderbare Stoffe aus anderen Gegenden.


Patricia: Was sind Deine Lieblingsstoffe?

Ines: Hm, schwierig. Das kommt auf den Einsatz an. Für meine Kleider alle Aborigini-Stoffe! Sie fallen wunderbar leicht und bilden in ihren Mustern das Leben der Eingeborenen ab. Mein Herz gehört aber auch ganz den bunten Shweshwe-Stoffen aus Südafrika. Für Kinderkleidung und Accessoires sind sie perfekt: Leuchtend, robust, bei 40° C waschbar – und die Farben verblassen nicht.


Patricia: Gibt es bei Dir auch dehnbare Stoffe?

Ines: Nein, Jersey ist kein traditioneller Stoff in diesen Ländern. Alles, was gestrickt wird, ist viel zu warm für die Menschen dort. Die Webstoffe aus Afrika, Indien oder Japan hingegen halten bei Hitze angenehm kühl.

 

Klar, eignen sich exotische Stoffe auch für Kinderkleidung - wie dieser "Love Doll"-Leinen aus Afrika.
Klar, eignen sich exotische Stoffe auch für Kinderkleidung – wie dieser „Love Doll“-Leinen aus Afrika

Patricia: Vor drei Jahren hast Du Deine Berufung zum Beruf gemacht und Dein Label „Karlotta Pink – Stoffe aus aller Welt“ geründet. Was bedeutet der Name?
Ines:
Er verbindet Ausgefallenes mit Bodenständigem, und soll sagen: Auch wir Europäer können bunte Muster tragen!


Patricia: Ich kann mir vorstellen, dass viele nicht den Mut dazu haben…

Ines: Am Anfang gibt es durchaus Berührungsängste. Wir veranstalten ja auch Näh-Wochenenden in der Schweiz, wo viele zum ersten Mal mit meinen Stoffen in Berührung kommen und oftmals braucht es einen Augenblick sich zu trauen. Aber dann, Schritt für Schritt, wagen sie sich an die Farben und Formen, verlieren ihre Angst vor Mustern und fühlen sich mit einem Mal schön und selbstbewusst. Das ist dann immer ein absolutes Highlight.


Patricia: Wie kann ich all die Farben und Formen hier in Deutschland in meinen Alltag integrieren? Fühlt sich das nicht fremd an?

Exotische Stoffe in heimischer Kulisse? "Funktioniert", sagt Ines. "Wenn man das passende Schnittmuster dazu kombiniert."
Exotische Stoffe in heimischer Kulisse? „Funktioniert“, sagt Ines. „Wenn man das passende Schnittmuster dazu kombiniert.“

Ines: Die Kunst ist, europäische Schnitte mit exotischen Mustern zu verbinden. Ein klassisches Etuikleid bekommt durch indische Drucke eine höchstpersönliche Note, ein Kinderkleidchen mit afrikanischen Shweshwe-Stoffen eine unnachahmliche Strahlkraft.


Patricia: Deine Botschaft an uns?

Ines: „Seid mutig!“

 

Ihr findet Ines Weizenegger und ihre Stoffschätze aus aller Welt auf ihrer Homepage – www.karlottapink.de
Sie versendet nicht nur aus der Schweiz, sondern auch von Deutschland aus. Schaut mal vorbei!

 


Fotos: Karlotta Pink & Jochen Boy

 

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